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Alpentrek I - der Bericht von Irmhild

  • Autorenbild: Rosula Blanc
    Rosula Blanc
  • 1. Aug. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Hallo zusammen, ich bin Irmhild, 19 Jahre alt und komme aus Deutschland. Mein Bruder und ich waren diesen Sommer eine Woche bei Rosula zu Besuch, um bei ihr auf dem Hof zu helfen. In diesem Zeitraum war auch ein Trek geplant, an dem wir teilnehmen konnten. Dies war eine wundervolle, spannende und lehrreiche Erfahrung, die ich nicht missen wollen würde!!

Wir fuhren am Donnerstag in Rosulas Jeep auf die Alp, auf der die Yaks den Sommer verbringen. Schon die Fahrt dorthin war sehr lustig, da wir mit allem Gepäck hinten saßen, zwei Hunde neben uns und auf der holprigen Bergstraße gehörig durcheinander geschüttelt wurden. Oben „suchten“ wir erstmal die Yaks, die sich von ihrer ursprünglichen Weide entfernt hatten und über den Berggrat abgehauen waren. Wir fanden sie schließlich in einem idyllischen Bergkessel mit einem kleinen See, wo sie es sich gemütlich gemacht hatten. Mit den Hunden an der Leine näherten wir uns langsam den Yaks, um diese nicht zu erschrecken, auch wenn sie uns schon bemerkt hatten. Eine Person blieb immer bei den Hunden, während sich die anderen zu den Yaks gesellen konnten.


Photo: Albrecht Nachtigall
Photo: Albrecht Nachtigall

Dies war meine zweite nahe Begegnung mit Yaks, diesen großen, mächtigen, imposanten, starken Tieren und und ich war noch genau so ehrfürchtig wie beim ersten Mal. Es fühlt sich unglaublich besonders an, sich in deren Herdenbereich aufhalten zu können, die Anwesenheit der Tiere zu spüren, sich neben ein Yak zu stellen oder zu setzen und es zu streicheln. Erst nach und nach verlor ich meine Befangenheit und anfängliche Scheu und versuchte die Tiersprache zu verstehen, zu lesen, was einem die Yaks zu sagen hatten, während man bei ihnen war.

Freitags holten wir die Yaks aus ihrem Bergkessel hinunter zur Alp, von wo der Trek starten sollte. Rosula und noch ein weiterer ihrer Hirten machten natürlich die meiste Arbeit, während wir uns nach Tatkräften bemühten, eine gute Hilfe zu sein. Ganz dumm stellten wir uns zum Glück nicht dabei an. Mit Zurufen von hinten wurden die Yaks zur Alp getrieben, hui - sie galoppierten mit fliegenden Hufen den Berg hinunter. So schnell kam ich gar nicht nach, in der ständigen Bemühung, nicht zu stolpern und mich hinzulegen. Ein Hirte vorne, einer hinten, ging es dann im „Gänsemarsch“ weiter, zum vorher aufgestellten Paddock.

Am Samstag sollte der eigentliche Trek starten, bei dem wir, die andern Gästen waren am Freitag gekommen, mit den Yaks über die Berge wandern wollten. Leider wurde jedoch eines der Yaks  krank, so dass wir nicht loswanden konnten. Der Tierarzt wurde gerufen und verabreichte Medikamente. Sollte der Trek ins Wasser fallen? Vorerst wanderten wir gemeinsam auf einen Berg, auch so konnte man die wunderschöne Schweizer Natur und Landschaft genießen, die hier einfach herrlich sind.


Photo: Albrecht Nachtigall
Photo: Albrecht Nachtigall

An Sonntag konnten wir dann noch die einzigartige Erfahrung machen, mit den Yaks zu wandern. Zwar nicht den vorher geplanten Weg, sondern einen anderen, aber auch dieser war wunderschön. Anfangs liefen die Yaks noch nicht dauerhaft in einem schönen Zug, sie wollten immer wieder bergaufwärts ausbrechen, so dass wir alle viel zu laufen hatten, um sie in die richtige Richtung zu treiben. Wir mussten immer etwas oberhalb laufen, wo natürlich kein Weg mehr war, also durch hohes Gras und über Steine, um die Yaks am Ausbrechen zu hindern. Auch wenn es natürlich anstrengender war, als auf dem Weg zu wandern, machte es auch Spaß. Es war schön, wirklich etwas tun zu können und auch zu beobachten, wie man sich richtig verhalten muss, damit die Tiere in einer Kolonne liefen. Nach und nach ging es auch besser und wir mussten nicht mehr so rennen.


Photo: Albrecht Nachtigall
Photo: Albrecht Nachtigall

Ein Vorkommnis ist mir noch besonders im Gedächtnis geblieben: Wir gingen gerade über eine Kuhweide und mussten das Gatter öffnen, um weiter gehen zu können. Da brachen ein paar der jüngeren Yaks aus und gerieten in Panik, versuchten durch den geschlossenen Zaun zu rennen, was zu schweren Verletzungen führen könnte. Wir mussten durch ruhiges Zureden versuchen, die Tiere zu beruhigen; indem wir einen Kreis um sie bildeten, konnten sie nicht mehr in Panik davon laufen. Nach mehreren Versuchen  schafften wir es, den geschlossenen Zaunteil, an dem die Yaks standen, zu öffnen und alle heil und ohne Verletzung auf die andere Seite zu bringen. Ich war fast erschüttert, wie hilflos die Yaks waren, als sie nicht wussten, wie sie durch den Zaun gelangen konnten.


Photo: Albrecht Nachtigall
Photo: Albrecht Nachtigall

Doch in anderen Situationen sind die Yaks sehr sicher und so viel intuitiver als wir Menschen. Bei steilen Wegstücken, auf Geröll oder anderen schwierigen Stellen, sind sie so viel trittsicherer als jeder Mensch sein könnte. Auch wenn sie manchmal schwerfällig aussehen, so sind sie doch so viel mehr als das. Sie wissen genau, wo sie ihre Hufe hinsetzen müssen, um den nächsten Schritt richtig zu gehen. Ich glaube, das Wichtigste dabei ist Langsamkeit und keine Hektik; keines der Yaks rennt einen Berg hoch, sie gehen langsam, immer in ihrem Tempo, ohne Hast. Wenn sie nicht wissen, wie es weitergeht, dann bleiben sie kurz stehen, schnobern mit ihrer Nase am Boden herum, scannen die Umgebung und wissen dann wie es weitergeht. Diese Gewissheit, das es weitergeht, die Ruhe, die wir so wenig haben in unserer hektischen Welt, sollte man immer mal wieder fühlen. Wenn es zu stressig ist und man sich selber nicht kennt und nicht mehr zu sich finden kann, dann ist so eine Auszeit das, was einen wieder zu sich finden lässt. Das merkte ich in den wenigen Tagen, die wir in der Schweiz verbrachten, ohne Handy, einfach nur die Natur und wir. Auch wenn ich in den folgenden Wochen oft Stress hatte und nicht mehr die Ruhe finden konnte, so nahm ich doch einiges aus dieser Erfahrung mit und weiß, dass ich es nie vergessen werde.


Photo: Albrecht Nachtigall
Photo: Albrecht Nachtigall

 
 
 

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